22. Dezember 2023

Jahresrückblick 2023: Gaia-X startet in die praktische Umsetzung

Gaia-X schafft 2023 den Sprung von der Aufbau- in die Umsetzungsphase mit der Veröffentlichung des erstes Code-Frameworks auf Open-Source-Basis und der Ausgründung erster Unternehmen aus Pilotprojekten. Ein Rückblick mit den wichtigsten Gaia-X-Schlagworten des Jahres.

Selbst heute verzichten sechs von zehn Unternehmen in Deutschland komplett darauf, (ihre) Daten mit Dritten auszutauschen, so übereinstimmende Studienergebnisse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und des Branchenverbands Bitkom. Und das, obwohl fast jedes Unternehmen in Zukunft sein Geschäftsmodell auf Daten stützen wird. Wie lange müssen wir also hierzulande noch auf die Zukunft warten? Im Augenblick stehen wir an einer Wegscheide. 2023 machte uns durch verschiedene Ereignisse Mut, dass wir in Europa mit Gaia-X die richtige Abzweigung in Richtung Datenökonomie nehmen.

Catena-X: Der größte Gaia-X-konforme Datenraum geht online

Miteinander konkurrierende deutsche Autobauer bauten ein offenes, kollaboratives Datenökosystem entlang ihrer Wertschöpfungskette, obwohl jeder von ihnen bereits an eigenen Industrie-Clouds arbeitete. Und seit dem Start des Projekts war klar, dass Catena-X einmal Gaia-X-konform arbeiten wird. Das Ziel: Der Datenraum soll Hersteller und Zulieferer miteinander vernetzen, um nachhaltige Materialien zu entwickeln und den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen in der Wertschöpfungskette zu senken. Das geht nur durch die Kooperation verschiedener Unternehmen und Teilen von Daten. Im Catena-X-Datenraum wollen die deutschen Autobauer alle Informationen zusammentragen, die etwa Aufschluss über den CO2-Fußabdruck ihrer Produkte geben – und zwar lückenlos. Was zu Anfang wie Science-Fiction klang und als gefördertes Pilotprojekt startete, wurde 2023 Realität: Anfang 2023 gründeten zehn deutsche Unternehmen das Joint Venture Cofinity-X, das als erste Betreibergesellschaft für den Datenraum Catena-X im Oktober schließlich online ging.

EuroDaT: Erstes Gaia-X Förderprojekt in der praktischen Anwendung

Der Schritt vom Projektlabor in den Geschäftsalltag gelingt nicht nur, wenn große Industriekonzerne investieren. Das Förderprojekt EuroDaT entwickelte einen Gaia-X-kompatiblen Datentreuhänder. Mit diesem ist es beispielsweise möglich, unter Einhaltung der besonders strengen Regularien und Datenschutzauflagen von Banken in Datensätzen unterschiedlicher Institute nach Spuren von Geldwäsche zu fahnden. Dabei erhalten weder EuroDaT noch Dritte Einblick in die Daten. In der zweiten Jahreshälfte 2023 nahm die EuroDaT GmbH ihren Betrieb als transaktionsbasierter Datentreuhänder auf. Sitz des Start-ups ist Wiesbaden, Träger der EuroDaT GmbH ist das Land Hessen.

Gaia-X Digital Clearing House: Konformität mit dem Ökosystem nachweisen

Im Gaia-X-Kosmos dreht sich alles um gemeinsame Leitplanken für die Datenwirtschaft. Doch wie weist ein Unternehmen die Konformität seiner Dienste oder Daten mit Gaia-X nach? Das Gaia-X Digital Clearing House (GXDCH) soll genau diese Lücke schließen.

Europäische Organisationen können über das GXDCH die Konformität ihres Angebots mit Gaia-X beglaubigen. Daraufhin werden sie im Gaia-X-Masterkatalog gelistet und können dort ihr kommerzielles Angebot und dessen Konformitätsniveau zeigen. Der GXDCH bietet Funktionen zur Recherche von Diensten an und die Option, einen eigenen privaten Dienste-Katalog oder Verbund aufzubauen oder sich einem Verbund anzuschließen.

Mit Gaia-X Lab, Aruba und T-Systems haben die ersten drei Dienstleister 2023 ein eigenes Clearing House gestartet. Die Gaia-X European Association for Data and Cloud AISBL überwacht den ordnungsgemäßen Betrieb dieser Clearingstellen.

Gaia-X Summit 2023 Header

Bild: Gaia-X Summit in Alicante

Internationalisierung: Neuer Gaia-X-CEO präsentiert seine Pläne

Jedes Jahr trifft sich die Community zum Gaia-X-Summit in dem Land, das die aktuelle EU-Präsidentschaft innehat. Im November 2023 luden die spanische Regierung und der Gaia-X Hub Spain an die Costa Blanca nach Alicante. Dort präsentierte der Gaia-X-Dachverband AISBL ein neues Gesicht an der Spitze. Gerade neun Tage im Amt, stellte CEO Ulrich Ahle die Eckpunkte seiner Strategie vor, unter anderem:
  1. Gaia-X wird in Europa weiterwachsen: Nach Ahles Plänen sollen in weiteren EU-Mitgliedsstaaten Gaia-X Hubs als Anlaufstellen für Unternehmen, Wissenschaftler und Experten entstehen. 
  2. Die vielleicht wichtigste Botschaft von Alicante lautet: Wir leben in Europa nicht auf einer Insel. Deshalb richtete Ahle den Blick über die EU-Grenzen hinaus. Sein Ziel: Die Initiative global zu vernetzen und gezielt Partnerschaften mit internationalen Mitgliedern, Marktanalyst:innen und Expert:innen zu suchen. Auch praktisch werde Gaia-X zukünftig die Anforderungen anderer Wirtschaftsregionen, etwa bei der Definition von Labels, berücksichtigen und abbilden, so Ahle. 
Auf den Punkt brachte dies Kazuo Nakashima. Aus Tokio zugeschaltet, sagte der General Manager des IoT-Spezialisten RRI: „Es ist wirklich schwierig, ein robustes Framework für den Datenaustausch zu finden. Die Herausforderungen, vor denen wir alle stehen, betreffen nicht nur ein Unternehmen oder ein einziges Land!“

Open-Source-Community: unternehmerischer Einsatz gefragt!

Mit Gaia-X will sich Europa in der entstehenden Datenökonomie mehr technologische Eigenständigkeit verschaffen. Einer der zentralen Ansätze dazu ist der Einsatz von Open-Source-Software. Ein Großteil der Technologie hinter Gaia-X soll als quelloffener Code verfügbar und transparent sein.

2023 übergab das deutsche Projektbüro für die Entwicklung der Federation Services (GXFS) unter Leitung des eco-Verbands, den Code für das erste Gaia-X-Framework an die Eclipse Foundation. Dort werden die GXFS fortan aus markenrechtlichen Gründen unter dem Titel Cross Federation Service Components (XFSC) geführt.

Von jetzt ab dürfen (und sollen) alle interessierten Unternehmen und Fachleute an den Programmbausteinen der Föderationsdienste und weiteren Software-Komponenten für Gaia-X mitwirken. Das heißt aber auch: Der Erfolg von Gaia-X-basierten Datenräumen als Inkubatoren für die Datenwirtschaft hängt entscheidend vom Engagement der Community, also auch der Wirtschaft ab. Und das ist der Unterschied zu proprietären Plattformen und Software-Lösungen: Digitale Souveränität benötigt unternehmerischen Einsatz!

Ausblick: Wichtige Events des Gaia-X Hubs

Gaia-X Roadshow 2024

Für kleine und mittelständische Unternehmen startet der Gaia-X Hub im Februar 2024 die Gaia-X -Roadshow. Dabei stellt der Hub beispielhafte Datenraum-Projekte vor und sucht das Gespräch mit Unternehmer:innen und Expert:innen in ganz Deutschland.

Zum Auftakt am 14. Februar laden wir Sie herzlich nach Kaiserslautern ein. Unser Gastgeber ist die SmartFactory-KL und ihr Projekt smartMA-X. Die Lauterer Forschenden sind Vorreiter für die datenbasierte Industrieproduktion.

Treffen Sie uns auf der Hannover Messe 2024!

Auf der Hannover Messe 2024 machen wir die Vision und das innovative Potenzial von verteilten Datenökosystemen greifbar, durch nachhaltige Industrien, die vernetzt, digital und datengetrieben arbeiten. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft zeigen der Gaia-X Hub Deutschland, die Gaia-X AISBL und die Initiative IPSEI-CIS, wie Datenökosysteme und Cloud-Infrastrukturen der nächsten Generation die industrielle Wertschöpfung revolutionieren können.

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Verfasst von Thomas Sprenger