Vernetzte Mobilität gelingt nur mit vertrauenswürdigen, interoperablen Datenräumen – nach Gaia‑X‑Prinzipien verbindet NeMo.bil Fahrzeuge, Infrastruktur und Dienste zu einem skalierbaren Ökosystem, das besonders ländliche Regionen stärkt.

Blog Gastbeitrag Jonathan Behm (Geschäftsführer von NeMo e.V.)

Für eine nachhaltig funktionierende Mobilitätswende steht der Verkehrssektor noch immer vor immensen Herausforderungen – sei es in ökologischer, ökonomischer oder sozialer Hinsicht. Außerdem spielt natürlich die Digitalisierung eine immer größere Rolle. Insgesamt ändert sich das Mobilitätsverhalten in der Gesellschaft und die Angebote müssen sich an den realen Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren und individueller gestaltet werden. Um die Mobilitätswende langfristig umzusetzen, richtet sich der Fokus auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Vor allem in ländlich geprägten Regionen besteht hier noch viel Nachholbedarf: es gibt nicht genügend Angebote und dies führt zu langen Wegketten und Wartezeiten für die Menschen sowie zu hohen Kosten für die Anbietenden (Betreiber). NeMo.bil will den ÖPNV nun stärker individualisieren und entwickelt dafür innovative Lösungen für ein neues Mobilitätssystem für alle.

Was ist NeMo.bil?

Im vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (ursprünglich: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) geförderten Forschungsprojekt NeMo.bil entwickelt ein Konsortium aus 20 Partnern aus Industrie, Forschung und im regionalen Kontext gemeinsam ein innovatives, interdisziplinäres und skalierbares Mobilitätssystem. Dieses System ist speziell für ländliche Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte konzipiert. Zugleich wird Barrierefreiheit umfassend berücksichtigt, sodass das neue Mobilitätsangebot allen Menschen gleichermaßen zugänglich sein soll.

Innovatives Mobilitätssystem

Mithilfe zwei verschiedener Fahrzeuge – die automatisiert fahrenden Ultraleichtfahrzeuge NeMo.Cab sowie die größeren Zugfahrzeuge NeMo.Pro – wird eine neue Form des ressourcenbewussten und bedarfsgerechten Personen- und Gütertransports im ländlichen Raum konzipiert. Unter dem Motto „Mobilität überall und für alle“ agieren die Cabs in Schwärmen und sind entlang der jeweiligen Nutzungsanforderungen unterschiedlich ausgestattet. So gibt es beispielsweise rollstuhlgerechte Varianten oder Transport-Cabs für Güter. Für längere Strecken können sich mehrere Cabs während der Fahrt physisch mit einem Zugfahrzeug zu einem besonders energieeffizienten Konvoi zusammenschließen. Über die Fahrzeug-zu-Fahrzeug- (V2V) wird die Konvoifahrt effizient und zuverlässig koordiniert, die Fahrzeug-zu-Infrastruktur-Kommunikation (V2X) nutzen alle Fahrzeuge des Systems unter anderem zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Die Bürgerinnen und Bürger können ihre Mobilitätswünsche bedarfsorientiert über eine App bekanntgeben. Über eine Internet-Plattform bzw. digitales Ökosystem werden die Transportwünsche gesammelt und optimiert.

NeMo.bil zahlt somit auf einen individualisierten öffentlichen Nahverkehr ein und spart mit dem on-demand Mobilitätsdienst an Kosten, Ressourcen und Emissionen.

Vernetzte Mobilität

Das System wird über eine digitale Plattform / digitales Ökosystem gesteuert und koordiniert, die sowohl Fahrzeuge als auch Nutzeranfragen und betriebliche Infrastruktur vernetzt. Damit entsteht ein umfassendes Mobilitäts-Ökosystems mit offenen digitalen Schnittstellen, die die Integration in bestehende ÖPNV-Systeme sicherstellen. Dabei ist die Integration von Ansätzen zur Bestimmung und Gewährleistung von Datenqualität und Datenprovenienz wichtig, ebenso frei verfügbare Softwarebausteine und frei verfügbare bzw. offene Standards.

Zentral ist ein souveränes Datenökosystem nach Gaia‑X‑Prinzipien: Föderierte Identitäten, klar definierte Zugangs- und Nutzungsrechte sowie nachvollziehbare Datenherkunft schaffen Vertrauen zwischen Verkehrsunternehmen, Kommunen, Technologieanbietern und Fahrgästen.

Über Anbindungen an Gaia‑X‑konforme Datenräume – etwa den European Mobility Data Space – lassen sich Fahrplandaten, Fahrzeugzustände, Infrastrukturinformationen und Nachfrageprofile sicher teilen und verknüpfen; das ist die Basis für intelligente Disposition, multimodale Routen und neue Services.

Welche Vorteile bietet das interoperable Zusammenwirken unterschiedlicher, bedarfsorientierter Verkehrsmittel, koordiniert von Plattformen?

  • In Echtzeit kann der schnellste und energieeffizienteste Weg berechnet werden.
  • ÖPNV, automatisierte Fahrzeuge und Sharing-Dienste – alle Komponenten verschmelzen zu einem effizienten und nachhaltigen Lösungsangebot.
  • Verkehrsbehinderungen werden reduziert, die Luftqualität verbessert und die Lebensqualität steigt insgesamt.
  • Der öffentliche Nahverkehr wird komfortabel und attraktiv.
  • Neue Geschäftsmodelle und Arbeitsplätze im Bereich der nachhaltigen Mobilität entstehen.
  • Für Betreiber steigt die Planungssicherheit dank datenbasierter Steuerung und messbarer Servicequalität; Kommunen und Regionen profitieren von inklusiveren, bezahlbaren Angeboten.

Um die Vision eines ganzheitlichen, vernetzten Mobilitäts-Ökosystems Realität werden zu lassen fokussiert sich die Initiative NeMo e.V. dabei auf drei Dimensionen:

  1. Die Beschreibung von inhaltlichen Systemkomponenten: Mobilität, Energie und Digitalisierung
  2. Ökonomisch tragfähige, ökologisch verantwortungsvolle und sozial gerechte Angebote
  3. Ein Netzwerk an Akteuren, die dieses Ökosystem gemeinsam stützen.

Interoperabilität, Datensouveränität und offene Standards beschleunigen die Skalierung über Regionen hinweg – von der Pilotierung bis in den Regelbetrieb. Mit NeMo.bil entsteht also ein zukunftsfähiges Mobilitätssystem, das nicht nur nachhaltig und effizient ist, sondern auch offen, übertragbar und anschlussfähig. Im Verbund mit Gaia‑X gewinnt die Idee an Breitenwirkung: Wo Daten sicher fließen, wird Mobilität verlässlich, menschorientiert und alltagstauglich – besonders in ländlichen Räumen.